Was ist Vollwertkost (Definition)


Aktualisierte Gießener Definition

Vollwert-Ernährung ist eine überwiegend pflanzliche (lakto-vegetabile) Ernährungsweise, bei der gering verarbeitete Lebensmittel bevorzugt werden. Gesundheitlich wertvolle, frische Lebensmittel werden zu genussvollen und bekömmlichen Speisen zubereitet. Die hauptsächlich verwendeten Lebensmittel sind Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Kartoffeln und Hülsenfrüchte, daneben können auch geringe Mengen an Milch und Milchprodukten, Fleisch, Fisch und Eiern enthalten sein. Ein reichlicher Verzehr von unerhitzter Frischkost wird empfohlen, etwa die Hälfte der Nahrungsmenge.

Zusätzlich zur Gesundheitsverträglichkeit der Ernährung werden im Sinne der Nachhaltigkeit auch die Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialverträglichkeit des Ernährungssystems berücksichtigt. Das bedeutet unter anderem, dass Erzeugnisse aus ökologischer Landwirtschaft sowie regionale und saisonale Produkte verwendet werden. Weiterhin wird auf umweltverträglich verpackte Erzeugnisse geachtet. Außerdem werden Lebensmittel aus Fairem Handel mit sog. Entwicklungsländern verwendet. Mit Vollwert-Ernährung sollen hohe Lebensqualität – besonders Gesundheit –, Schonung der Umwelt, faire Wirtschaftsbeziehungen und soziale Gerechtigkeit weltweit gefördert werden.

(nach Körber, Männle, Leitzmann)

Die Gründe für diese Ernährungsweise liegen in der Minderwertigkeit der üblichen zivilisatorischen Ernährung, die zwangsläufig zu Zivilisationskrankheiten führen muß.

Vitalstoffe: Damit meint man die Summe aller Stoffe, die ein Lebens- bzw. Nahrungsmittel enthält, bspw. Vitamine, Mineralstoffe, Faserstoffe, Aromastoffe, Sekundäre Pflanzenstoffe und die vielen Tausend anderen, die noch gar nicht entdeckt sind.

Lebensmittel: Bezeichnet in der VWK eine Nahrung, die noch lebt, also einen funktionierenden Stoffwechsel hat. In erster Linie ist das frisches Obst, Gemüse und Getreide. Lebensmitteln wurde nicht bearbeitet (bestenfalls mechanisch) und verfügen daher noch über alle Vitalstoffe.

Nahrungsmittel: Meint in der VWK alles, was bearbeitet wurde. Durch die Bearbeitung wird das Produkt mehr oder weniger stark geschädigt, sprich die Vitalstoffe werden teilweise oder ganz zerstört.

Denaturierung: Bezeichnet die Zerstörung lebendigen Eiweißes durch Hitze. Ab ca. 42 Grad denaturiert das Eiweiß, es verändert seine Eigenschaften, verliert seine Struktur und wird vom Körper weitgehend nicht mehr als Eiweiß erkannt. Mit ein Grund, weshalb Menschen ein Fieber von über 42 Grad selten überleben...

Die Vollwerternährung läßt sich mit den Worten Kollaths ziemlich einfach beschreiben: "Laßt die Nahrung so natürlich wie möglich". Der Grund für diese Forderung sind die folgenden Erkenntnisse:

- Jede Verarbeitung eines Lebensmittels beeinträchtigt den Gehalt und das Verhältnis der Vitalstoffe. Kochen laugt bspw. Vitamine aus, Hitze zerstört Aromastoffe und denaturiert das Eiweiß.

- Der menschliche Stoffwechsel hat sich in hunderttausenden von Jahren der lebendigen Nahrung angepaßt. Er benötigt zur richtigen Funktion alle Vitalstoffe, die in einem Lebensmittel enthalten sind. Fehlen Vitalstoffe über längere Zeit (viele Jahre), so kann der Körper diesen Mangel nicht mehr ausgleichen und es kommt zu Stoffwechselstörungen, die sich dann - je nach Konstitution - in verschiedenen Symptomen manifestieren. Hier sind bspw. Übergewicht, Rheuma, Allergien, Herz- Kreislauferkrankungen, Arteriosklerose, uva. zu nennen. Man faßt diese Symptome, die üblicherweise als Krankheiten angesehen werden, auch unter dem Begriff "Zivilisationskrankheiten" zusammen, da sie in nicht zivilisierten Völkern (sprich mit einer naturbelassenen Ernährung) nicht existieren.

- Das Ausbrechen dieser Zivilisationskrankheiten geschieht nicht von heute auf morgen, sondern dauert, sofern keine Vorbelastung vorliegt, ca. 20 Jahre. Durch diesen langen Zeitraum verwischt der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung.

- Bedingt durch "erbliche" Vorbelastung brechen diese Krankheiten mittlerweile immer früher aus, selbst bei Säuglingen (Allergien!). Die Kinder büßen praktisch für die Sünden der Eltern. Der Begriff 'erblich' ist aber im Grunde falsch, denn eine Stoffwechselstörung vererbt sich nicht im Sinne der Vererbungslehre. Die 'Vererbung' findet in den zehn Monaten Schwangerschaft statt, in denen der kindliche Blutkreislauf mit dem der Mutter identisch ist. Es handelt sich also eher um eine Adaption.

- Die Vollwertkost sorgt dafür, daß die Nahrung so viele Vitalstoffe wie möglich enthält und beugt damit derartigen Krankheiten vor. Sie kann in gewissen Grenzen auch die Symptome bereits ausgebrochender Krankheiten lindern bzw. sie über längere Zeiträume heilen. Schäden, die dann bereits angerichtet sind, können natürlich nicht wieder rückgängig gemacht werden. Aterien entkalken sich nicht und Gallensteine lösen sich nicht auf - man kann aber schlimmeres verhindern.

- Vollwertkost ist kein Diät, sondern eine Ernährungsumstellung. Im Grunde geht es darum, die Qualität der Nahrung zu erhöhen.

- Vollwertkost beinhaltet keine Verbote. Es gibt jedoch Dinge, die sich absolut nicht vertragen, wie bspw. Fabrikzucker und Vollkornprodukte und die daher gemieden werden sollten. Ansonsten ist jeder natürlich frei, wie konsequent er sich an die Empfehlungen halten will. Generell kann jemand, der aus Gründen der Prophylaxe eine VEW einhält, sich eher mal Ausnahmen erlauben, als jemand, der damit seine Zivilisationskrankheit lindern oder heilen will.

- Vollwertkost hat auch einen ökologischen Aspekt: Favorisiert werden Lebensmittel aus ökologischem Anbau, in dem Bewußtsein, daß auch die Schadstoffe ihren Teil zur Krankheiten beitragen.

- Vollwertkost bedeutet im Einzelnen

* Verzicht auf Auszugsmehle und Produkte daraus. Stattdessen Vollkornmehl - am besten frisch gemahlen - und daraus hergestellt Produkte.

* Verzicht auf Fabrikfette, also bspw. Margarine, raffinierte Öle und Fette und Produkte, die damit hergestellt werden. Stattdessen Verwendung von naturbelassenen Ölen und Fetten: Butter, Sahne, Nüsse, native (kaltgepreßte) Öle, etc.

* Verzicht auf Fabrikzucker und andere raffinierte Kohlenhydrate. Unter Fabrikzucker versteht man alle künstlich hergestellten isolierten und konzentrierten Kohlenhydrate, bspw.: Dextrose, Laktose, Ahornsirup, Dicksäfte, Sirup, Maltose, Fructose, Melasse, Rohrzucker, Rohrohrzucker, getrockneter Zuckerrohrsaft, etc. Stattdessen sollte man frischen süße Früchte verwenden. In Grenzen (sprich: als Gewürz) kann auch Honig verwendet werden, vorausgesetzt, er wurde nicht erhitzt.

* Mindestens ein Drittel der täglichen Nahrungsmenge solle aus Frischkost bestehen, also Obst, Gemüse, Salate, etc. Dazu gehört auch ein Frischkornbrei, der einmal täglich gegessen werden sollte.


Letzte Änderung: 10.6.2004 10:59:25 - Autor: Thomas - Letzter Autor: rosenkohltopf
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