Vollwert und Histaminintoleranz inklusive Kindern

Alles rund um den Einstieg in die Vollwerternährung. Was soll ich kaufen, woher bekomme ich eine Mühle, was sagt meine Familie?

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Vollwert und Histaminintoleranz inklusive Kindern

Beitragvon Fuchskatzü » Mi 13. Jun 2018, 22:26

Hallo zusammen.
Wir kommen aus Berlin, sind 30 und 28 Jahre alt. Die Jungen sind 8 und 11 Jahre, das Mädchen 6 Monate.
Wir sind vor kurzem zur Vollwertkost gekommen (schicksalshafte Begegnung mit einem älteren Herren im Laden. Der erste Mensch in meinem Leben, der von Ernährung Ahnung hatte und das sogar wesentlich tiefgreifender als ich. Ich hätte gern noch weiter mit ihm geredet, wann trifft man schon mal Gleichgesinnte. Er empfahl mir das Buch von Dr. Bruker)
Das hörte sich alles endlich so an, als wäre es das fehlende Puzzle in unserer Gesundungsgeschichte. Seit fast 2 Jahren betreibe ich Selbststudium und Forschung, da ich seit meiner sehr frühen Kindheit krank bin und meine Kinder ebenfalls (Zum Glück nicht so gravierend wie ich). Kein Arzt kann einem dabei natürlich helfen, meine Mama sagt nur, das ist normal bei den Kindern, ich war ja auch so blass und krank, kann man nichts machen heutzutage, ich soll mal aufhören so viel zu recherchieren und mal wieder zum Doktor gehen, der macht das schon...

Ziemlich schnell habe ich damals herausgefunden dass man die vielen vielen Krankheiten die wir haben durch die Ernährung beeinflussen kann. Zum Beispiel dass die ADHS Symptome der Kinder deutlich abschwächen wenn man den Zucker und Weizen weglässt. Soviel ich auch bisher herausgefunden hatte wurden wir doch nicht wirklich gesund. Eine chronische genetische oder zumindest familiär gehäufte (wahrscheinlich einfach nur weil meine Oma auch schon nur noch Doseneintopf kannte) Histaminintoleranz war uns auch ziemlich schnell sehr deutlich und konnte den ganzen Krankheiten endlich einen Namen geben, überforderte uns aber im Alltag extrem. Auch in Phasen in denen wir uns kaum etwas gönnten kam es hin und wieder zu schlimmen Symptomen die sich keiner recht erklären konnte. Salicylsäure? Fruktose? Stress? Was auch immer. Es ist auch sehr schwer für fünf Personen ein Ernährungsprotokoll über mehrere Monate zu führen deswegen habe ich das bald aufgegeben. Was aber dann wiederum zu vielem Rätselraten führte. Der Kinderärztin reichte das Ernährungsprotokoll aber damals aus, um den Kindern eine Bescheinigung zu geben. Histaminarm laktosefrei und glutenfrei sollte die Ernährung sein. Geholfen hat uns dann aber keiner. Schulessen vertragen die Kinder auch beim 3. histaminarm gekochten Versuch absolut nicht. Alles dreht sich darum, zuhause zu sein und rechtzeitig nach der Schule Essen für die Kids gekocht zu haben. Wenn man fertig ist, geht es schon fast ans Abendessen. Die Oma nimmt mittlerweile die Kinder nicht mehr, weil ihr das alles zu schwer ist mit dem selber kochen. 3x am Tag schmeißen wir den Herd an und können kaum noch Ausflüge machen, da wir nicht wissen was wir unterwegs essen sollen. Immer wieder hatte ich Heißhungerattacken die sich aber in erster Linie auf Obst und Gemüse bezogen, vieles davon bei Histamin problematisch. Also haben wir uns oft mit ollen Reiswaffeln und ähnlichem über den Tag gerettet. Hin und wieder, vor allem in der Schwangerschaft, auch mal Ausnahmetage mit richtig giftigem Zeugs und langem auskurieren und histaminfreiem Standardessen im Anschluss.
Ich dachte auch, dass unser Baby nicht so krank aussehen würde mit Allergien und Hautproblemen, wenn wir uns histaminarm ernähren. Aber ganz im Gegenteil. Sie sieht manchmal schlimmer aus als die Jungs früher unter Fast Food Einfluss! Ganz schlimm war es als wir mal Heißhunger auf ein Stück Käse mit Melone hatten, ganz schlimme Neurodermitis bei ihr.

Jetzt haben wir die Ernährung umgestellt und essen einfach viele viele tolle Obst und Gemüse, langfristig soll doch die Histaminintoleranz davon weggehen (?), lassen dafür Fleisch und Reiswaffeln weg sowie andere Kleinigkeiten. Eier müssten wir jetzt noch die letzten alle machen nach und nach. Vieles wird jetzt roh gegessen und Ausflüge rücken in greifbare Nähe. Wir sind super glücklich mit den ganzen Obst und Gemüsesorten die wir solange nicht gegessen haben, ich koche wieder mit Freude (das hatte ich bisher 2x, vegetarisch vor 6 Jahren und Paleo vor 2 Jahren) auch die Kinder fallen mir jedes mal um den Hals, wie toll das ist, sogar bei Salaten, Suppen, etc. Vollkornkuchen gab es auch schon, wurde mir zwar matschig, aber lecker. Wir werfen auch viel weniger Essen weg, kaum noch. Da kein Ei und Fleisch drin, denke ich kann man Suppen und Salate auch noch am nächsten Tag essen. Schalen essen wir mittlerweile auch fast alle mit. Wir haben nur noch schätzungsweise 20% so viel Foodwaste.
Haferbrei morgens wurde durch Frischkornbrei ersetzt, Reis durch Vollkorn, etc. Die Kleine bekam jetzt als erste Beikost eine Möhre und eine Gurke in die Hand und ist höchst erfreut darüber. Schlagartig waren wir alle wie ausgewechselt. Euphorisch, motiviert, hilfsbereit, hatten uns endlich wieder gern, habe sogar endlich und freiwillig mit Bewegungsübungen begonnen... nun kommt aber langsam wieder das böse Erwachen nach wenigen Tagen! Alle sind müde, aggressiv, launisch, Entzündungen hier und da, schlimme psychische Symptome und Allergiesymptome, Haut juckt, Bauch sticht - sprich Histaminschub vom feinsten. Wie damals beim Paleo, erst ein super Booster, dann kommt es richtig dicke.
Jetzt bräuchte ich mal Hilfe und Ideen. Hätten wir es anders angehen müssen? Ganz langsam umstellen (dafür bin ich eigentlich zu ungeduldig) oder jetzt einfach durchhalten? Ich habe mal als Tipp gelesen: erst fasten dann Ernährung umstellen, aber das geht ja mit Kindern und Stillen schlecht. Und um Sachen einzeln einführen bin ich zu inkonsequent. Ich merke ja auch wie viele Nährstoffe uns monatelang gefehlt haben, weil die Auswahl an Obst und Gemüse so minimalistisch war und wäre echt happy wenn wir jetzt weiterhin so viel essen dürften. Wir haben ja sogar die histaminhaltigsten Sachen wie Tomaten oder Auberginen, viele Nüsse etc. erstmal weggelassen und trotzdem...
Ist es ja vielleicht jetzt nur so schlimm durch eine Erstverschlimmerung/Entgiftung weil wir viel schlechtes noch durch Vollwert getauscht haben oder nur der reine Histaminschub?

Und nächste Woche müssen wir zur Ernährungsberatung mit dem Großen, die wir zwar endlich verschrieben bekommen haben, aber die vom Arzt empfohlene Dame (fand ich schon mal ganz nett im Erstgespräch) wurde von der Kasse abgelehnt, da der Junge keine Krankheit hätte bei der Ernährungsberatung etwas ändern könnte! Aber wir sollen zur hauseigenen...
Naja da waren wir einmal, die sagte sie will mir da gar nicht viel reinreden, ich habe ja schon so viel ausprobiert und wir haben einen recht festen Fahrplan beim Essen, da braucht sie mir nichts vorschlagen. Wir gucken nur wegen Nährstoffen. Jetzt soll ich für den Jungen 1 Woche genauestens aufschreiben wieviel Gramm er wovon gegessen hat. Das ist doch gar nicht zu realisieren, vor allem als Familie! Noch dazu bei Smoothies, Salaten und Suppen. Und bringen wird das doch auch nichts. Ich denke mal wenn wir wieder alles essen an Gesundem würde doch nur das B12 fehlen oder? Jetzt bringt das Rechnen doch gar nichts, wer weiß ob sein Körper die Nährstoffe überhaupt aufnehmen kann. Das hat ja noch nie einer getestet bei ihm.

Ihr seht, ich habe Fragen über Fragen. Seit 2 Jahren dringe ich immer tiefer in die Materie ein und komme zu immer neuen Erkenntnissen, aber ich kriege die Fülle an Informationen auch alleine nicht sortiert und bearbeitet. Ich bin also dankbar über jeden Ratschlag. Vielleicht findet man hier auch generell Leute zum längeren Austausch, die vielleicht sogar in ähnlicher Situation sind - wir sind schon als krasse Außenseiter abgestempelt, am Wohnort, in der Schule und bei Freunde/Familie mit unseren Vorstellungen von Ernährung, Erziehung und Leben generell. Es wäre schön mal Anschluss zu finden :)

Ganz liebe Grüße
Fuchskatzü
 
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Re: Vollwert und Histaminintoleranz inklusive Kindern

Beitragvon Minze » Do 14. Jun 2018, 12:38

Hallo,
da habt ihr ja schon einiges durch, ihr Armen!
Helfen kann ich leider nicht, aber ich drücke euch die Daumen, dass ihr hier einen Tipp bekommt.
LG
Minze
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Re: Vollwert und Histaminintoleranz inklusive Kindern

Beitragvon Joachim » Mi 4. Jul 2018, 21:13

Herzlich willkommen! :)

Und sorry für die späte Antwort...

Fuchskatzü hat geschrieben:Schlagartig waren wir alle wie ausgewechselt. Euphorisch, motiviert, hilfsbereit, hatten uns endlich wieder gern, habe sogar endlich und freiwillig mit Bewegungsübungen begonnen... nun kommt aber langsam wieder das böse Erwachen nach wenigen Tagen! Alle sind müde, aggressiv, launisch, Entzündungen hier und da, schlimme psychische Symptome und Allergiesymptome, Haut juckt, Bauch sticht - sprich Histaminschub vom feinsten. Wie damals beim Paleo, erst ein super Booster, dann kommt es richtig dicke.


Ich denke, das ist manchmal gar nicht zu vermeiden. In einer Situation, in der schon viele Krankheiten bestehen, ist das ein wenig so, als ob man einen Grat an einem steilen Abhang entlang wandert. Die gesunde Ernährung bringt einen ein kleines Stück auf die sichere Seite, aber die Krankheiten, die über Jahrzehnte entstanden sind sind drücken dich sinngemäß immer wieder Richtung Abgrund - und manchmal rutscht man dann wieder ein Stück bergab. Der Organismus kämpft mit Stoffwechselstörungen und diese Vorgänge sind dynamisch und komplex und werden nicht nur durch die Ernährung, sondern auch durch Schadstoffeinwirkungen und belastende Lebenssituationen beeinflusst. Aspekte, die man gerne übersieht, die sich dann aber in solchen Abrutschern zeigen können. Deshalb sollte eine ursächliche Krankheitstherapie immer ganzheitlich erfolgen und alle diese Ursachenbereiche einschließen.

Jetzt bräuchte ich mal Hilfe und Ideen. Hätten wir es anders angehen müssen?


Ich denke nein. Langsame Umstellungen haben meiner Meinung nach keinen Vorteil, aber es gibt Menschen die nur so umstellen können. Wenn ihr das von jetzt auf gleich machen könnt, prima - je eher die Ursachen beseitigt werden, umso besser.

Ich habe mal als Tipp gelesen: erst fasten dann Ernährung umstellen, aber das geht ja mit Kindern und Stillen schlecht.


Ja, das macht da keinen Sinn. Es ist auch nicht zwingend notwendig, hat aber oft einen "Losbrecheffekt", wenn die Krankheit nicht weichen will. Fasten ist aber eine freiwillige Sache. das kann man Kindern nicht verordnen und auch beim Stillen halte ich es für falsch.

Wir haben ja sogar die histaminhaltigsten Sachen wie Tomaten oder Auberginen, viele Nüsse etc. erstmal weggelassen und trotzdem...


Wie sieht eure Ernährung denn im Detail aus? Das Frischkorngericht habt ihr ja drin - nach Originalrezept? Wie sieht es mit dem Getreide aus? Mahlt ihr es selbst? Welche Öle verwendet ihr?

Ist es ja vielleicht jetzt nur so schlimm durch eine Erstverschlimmerung/Entgiftung weil wir viel schlechtes noch durch Vollwert getauscht haben oder nur der reine Histaminschub?


Der Effekt tritt tatsächlich häufig auf, weil durch die wieder besser funktionierenden Stoffwechselprozesse nun auch eingelagerte Schadstoffe freigesetzt werden. Das ist ein Effekt, der aber nur zwei, drei Tage anhält.

Naja da waren wir einmal, die sagte sie will mir da gar nicht viel reinreden, ich habe ja schon so viel ausprobiert und wir haben einen recht festen Fahrplan beim Essen, da braucht sie mir nichts vorschlagen. Wir gucken nur wegen Nährstoffen.


Ohwei. Eine der alten Schule, vermutlich noch kaloriengläubig... ;)

Jetzt soll ich für den Jungen 1 Woche genauestens aufschreiben wieviel Gramm er wovon gegessen hat. Das ist doch gar nicht zu realisieren, vor allem als Familie! Noch dazu bei Smoothies, Salaten und Suppen. Und bringen wird das doch auch nichts.


Nein, das bringt nichts. Sie wird dir die Nährstoffe ausrechnen, mit den RDI Werten vergleichen und dir entsprechende Korrekturen empfehlen. Aber eure Krankheiten entstanden nicht, weil ihr zuwenig auf Nährstoffe geachtet habt, sondern weil ihr euch nicht naturbelassen ernährt habt. Der Ansatz ist also im Grunde falsch.

Ich denke mal wenn wir wieder alles essen an Gesundem würde doch nur das B12 fehlen oder?


Das ist ein etwas komplexes Thema. Eigentlich liefert das Frischkorngericht auch B12 und eigentlich produzieren das auch Bakterien, die auf den Schleimhäuten in Mund und Rachen leben, wo es auch direkt aufgenommen werden kann. Und eigentlich kann unser Organismus das (vermutlich) auch selbst synthetisieren. Aber alle diese Wege sabotieren wir recht zuverlässig. Das B12 aus dem Frischkorngericht kann nur über das Verdauungssystem aufgenommen werden und dieser Weg ist sehr anfällig - da reicht eine Magenschleimhautenzündung und schon kommt kein B12 mehr an. Die Bakterien in Mund und Rachen töten wir täglich mehrfach mit Giften ab (Fluoride) und die Eigensynthese, so sie denn vorhanden ist, würde einen nennenswerten Anteil canogener Glykoside in der Ernährung erfordern - die wir aus Angst vor Blausäure fast vollständig aus der Ernährung verbannt haben. Das ist also alles nicht so einfach. Ein recht einfacher Weg das Problem erst einmal symptomatisch zu lösen, ist die Verwendung einer B12 haltigen Zahnpasta (ohne Fluorid).

Ihr seht, ich habe Fragen über Fragen. Seit 2 Jahren dringe ich immer tiefer in die Materie ein und komme zu immer neuen Erkenntnissen, aber ich kriege die Fülle an Informationen auch alleine nicht sortiert und bearbeitet.


Kein Problem, da helfen wir gerne beim Sortieren. :)

Ich bin also dankbar über jeden Ratschlag. Vielleicht findet man hier auch generell Leute zum längeren Austausch, die vielleicht sogar in ähnlicher Situation sind - wir sind schon als krasse Außenseiter abgestempelt, am Wohnort, in der Schule und bei Freunde/Familie mit unseren Vorstellungen von Ernährung, Erziehung und Leben generell. Es wäre schön mal Anschluss zu finden :)


Aber gerne. Ich habe auch zwei Kinder, auch wenn die etwas älter sind. :) Aus welcher Ecke kommt ihr denn eigentlich so ungefähr?
Liebe Grüße,

...Joachim

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Re: Vollwert und Histaminintoleranz inklusive Kindern

Beitragvon sonnenkind » Mo 9. Jul 2018, 14:33

Aber gerne. Ich habe auch zwei Kinder, auch wenn die etwas älter sind. :) Aus welcher Ecke kommt ihr denn eigentlich so ungefähr?


ja das wollte ich auch fragen :)
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