Laufen und Schuhe

Ein gewisses Maß an regelmäßiger Bewegung ist ein wichtiger Faktor zur Gesunderhaltung. In diesem Forum diskutieren wir, wie wir Bewegung in den vollwertigen Alltag integrieren können, welche Sportarten wir ausüben und welche hoffentlich positiven Effekte das auf unsere Gesundheit hat.

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Laufen und Schuhe

Beitragvon Joachim » Do 30. Jun 2011, 15:09

Vor ein paar Tagen bin ich in Utes Blog über einen Beitrag gestolpert, in dem es mal nicht um Vollwert ging, sondern um das Laufen an sich. Im Beitrag findet sich ein Bild von sehr seltsamen Schuhen, die natürlich sofort meine Aufmerksamkeit weckten - ich bin ja seit jeher ein Fan von unüblichen Dingen außerhalb der Norm. ;)

Bild
http://vollwert.wordpress.com/2011/06/21/anders-laufen/

Im Grunde geht es dabei um das Barfußlaufen und zwar nicht nur so im Freibad, sondern richtiges Laufen. Joggen. Marathonläufe... Die abgebildeten Schuhe sind sogenannte Zehenschuhe, die im Grunde nur eine Art "Handschuh für die Füße" sind. Jeder Zeh hat sein eigenes Täschlein und die Sohle ist relativ dünn und flexibel. Man läuft also quasi barfuß, ist aber durch die Sohne vor allzu spitzen Dingen geschützt.

Ich habe dann mal ein wenig weiter gegraben und so langsam kristallisiert sich bei mir die Ansicht heraus, daß uns auch die Schuhhersteller permanent über's Ohr hauen. Tatsächlich ist unsere Art zu laufen, nämlich mit der Ferse aufzutreten, nur möglich, weil die Schuhe eine immer stärkere Dämpfung haben. Läuft man barfuß, geht das nicht, weil die Ferse nunmal keine Dämpfung hat und der Stoß bis zum Gehirn durchrauscht. Völker, die barfuß laufen, treten dabei nie mit der Ferse zuerst auf, sondern mit dem Vorderfuß, wodurch der Fuß dann als Feder wirkt. Ich habe das gestern spaßeshalber mal ausprobiert und bin barfuß von der Arbeit nach Hause gefahren. Das heißt, erstmal zehn Minuten über Asphalt, Schotter und Scherben, dann mit dem Zug und letztlich mit dem Twike nach Hause. Neben vielen seltsamen Blicken stellte ich aber fest, daß sich das Gehen tatsächlich verändert und ich nach wenigen Metern nur noch mit dem Vorderfuß auftrete und dann sanft auf die Ferse abrolle. Das passiert ganz automatisch. Wenn ich meine Lieblings-Flipflops anziehe, die ja auch flach sind, geht das schon nicht mehr - irgendwas hemmt mich dann in dieser Bewegung. Es funktioniert wirklich nur barfuß und erscheint mir dann auch völlig natürlich.

Nach ein wenig mehr Recherche stellte sich dann langsam heraus, daß diese unnatürliche Art mit der Ferse zuerst aufzutreten, offenbar nicht ganz unschuldig an etlichen Verletzungen ist, die man sich im Bewegungsapparat so zuzieht. Mittlerweile scheint es immer mehr Sportler zu geben, die tatsächlich barfuß laufen - selbst bei der Olympiade waren offenbar schon welche dabei. Und ich fand Berichte von Leuten, die ihre Verletzungen (bspw. Achillessehnenentzündung) dadurch schnell ausheilen konnten, indem sie bewußt auf Schuhe verzichteten und barfuß liefen.

Ich habe auf jeden Fall beschlossen, mehr barfuß zu gehen. Ich mache das zwar zu Hause sowieso sehr häufig, aber auswärts ist das immer so ein Problem. Nicht nur, weil man dann später den ganzen Straßendreck von den Fußsohlen schrubben kann, sondern auch, weil man häufig schief angeschaut wird. Die oben erwähnten Zehenschuhe ändern zwar etwas an ersterem, aber da man damit aussieht wie Kermit der Frosch ganz bestimmt nicht an Letzterem. Außerdem sind die Dinger verdammt teuer und haben offenbar noch einige andere Nachteile. Interessanterweise scheinen die Sportschuhhersteller jetzt auch auf den Trend aufzuspringen und bieten immer mehr "Barfußschuhe" an - meist zu Preisen, die umgekehrt proportional zur Materialmenge sind... ;)

Bei den ganzen Recherchen bin ich über eine ganz simple Alternative gestolpert: Die Tarahumara laufen schon immer auf simplen Schuhen herum, die nur aus einer dünnen Sohle bestehen, die mit Schnur am Fuß befestigt ist. "Huaraches" nennen die sich. Mittlerweile gibt es im Internet jede Menge Videos und Bauanleitungen, wie man sich die mit wenig Geld selbst machen kann. Wen es interessiert, kann ja mal danach suchen, die beste Anleitung habe ich hier gefunden: http://www.invisibleshoe.com/how-to-make-huaraches/ . Ich habe mir spaßeshalber mal entsprechende Sohlenmaterial bestellt und sobald ich eine brauchbare Schnur habe, werde ich das mal ausprobieren. Rein optisch sind die Dinger zwar je nach Schnürung immer noch ein Hingucker, aber bei weitem "normkompatibler", als die Zehenschuhe... ;)

Es scheint mir so langsam, als ob sich die modernen Errungenschaften immer häufiger als nachteilig und widernatürlich erweisen. Je mehr man schaut, umso mehr kommt man zu dem Schluß, daß man mit einer möglichst naturbelassenen Lebensweise am besten dran ist - und zwar nicht nur bei der Ernährung. :)
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon caly » Do 30. Jun 2011, 15:30

Wie schauts denn diesbezüglich mit Bundschuhen aus? Ich mag das Gefühl mit dünnen (selbst wendegenähten) Schuhen auf Mittelaltermärkten rumzulaufen und Bundschuhe dürften sich ähnlich angenehm tragen, sehen dabei aber (zumindest für Frauen) deutlich besser aus als Zehenschuhe oder Huaraches. Bekommt man hier auch sehr günstig, überlege schon länger welche zu probieren.

Und Bundschuhe waren in unseren Breitengraden schon früher üblich, ich bin tollen neuen Erkenntnissen über völlig fremde Kulturen gegenüber recht skeptisch... ;)
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon Tine » Do 30. Jun 2011, 15:31

Hallo Joachim,

ich finde das sehr spannend, was du erzählst. Mir sind aber beim ersten eher schnellen Lesen (bin auf Arbeit) gleich folgende Überlegungen gekommen:

- ich rolle auch barfuss nicht von vorn nach hinten ab, am ehesten trete ich wahrscheinlich dann platt auf. Gibts dazu ein Video, wie sowas aussieht? So rein vom mechanischen finde ich die von hinten-nach-vorn-Abrollbewegung beim Vorwärtslaufen durchaus sinnvoll, man schaukelt ja quasi nach vorn. Wenn man von vorn nach hinten abrollt, schaukelt man ja nach hinten, also entgegengesetzt zur Laufrichtung. Verstehst du, was ich meine?

- die Barfuss-Laufschuhe haben also eine dünne Sohle und diese Zehenabtrennungen. Inwiefern sollte gerade letzteres das richtige Abrollen fördern?

- warum funktioniert das Abrollen überhaupt in Schuhen offensichtlich falsch? Und warum auch in FlipFlops, aber in diesen Tarahumara-Schuhen angeblich nicht? Das sieht mir schon ziemlich nach FlipFlop aus, abgesehen von der Schnur um die Ferse, die aber wiederum auch bei leichten Sandalen gegeben ist. Hier fehlt mir noch der Schlüsselpunkt, wann es "richtig" geht und wann "falsch" und warum das so ist. Was unterscheidet diese Tarahumara-Schuhe denn von leichten Sandalen? Und warum macht die Dicke der Sohlen einen Unterschied? Nur wegen dem Federn?

- Naturvölker, die barfuss laufen, laufen eher nicht so oft über Asphalt ;-). Natürlicher Boden federt viel mehr, jetzt mal von Steinboden abgesehen, aber da läuft man ja normalerweise keine weiten Strecken drauf.

- die Erlebnisse von Heilungen sind ja schön (die gibts ja aber für fast alles), ich hab mir mal nach 10 km Barfusslauf (5 km Strand, 5 km Asphalt) ein über 2 Monate sehr schmerzendes Knie zugezogen, mit dem ich ca. 2 Wochen gar nicht und ca. 2 Monate nur unter sehr großen Schmerzen laufen konnte. Das hält mich etwas davon ab, zumindest über Asphalt längere Strecken barfuss laufen zu wollen.

So, jetzt muss ich weiter arbeiten. Bin aber schon gespannt auf die sicherlich entstehende Diskussion, komme aber frühestens morgen abend dazu, wieder reinzuschauen...

Viele Grüße
Tine
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon Tine » Do 30. Jun 2011, 15:39

Hallo Caly,

die sehen ja ganz gut aus! Und so teuer sind sie ja auch nicht, könnte man ja mal probieren. Man, dieses Forum fixt mich immer so an... :mrgreen:

Und was sind das für Schuhe, mit denen du auf Mittelaltermärkte gehst? Ziehst du die nur dort an?

Aber auf Arbeit kann ich die wohl trotzdem nicht tragen. Zu "alternativ"...
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon caly » Do 30. Jun 2011, 15:55

Angeregt durch Tines Beitrag frag ich mich auch gerade, wie stark sich unser Laufstil wohl mit einer längeren Zeit barfuß anpassen würde. Da entwickelt man ja doch stärkere Hornhäute und weniger sensibel sollte man auch werden. Mir fällt es auch gerade schwer mir vorzustellen, dass ich dann mit dem Vorderfuß zuerst auftreten würde.

@Tine
Ja, die sind nur für Märkte, fürchte die würden nach paar Tagen zerfallen und straßentauglich aussehen tuns schon gar nicht. ;) Find leider kein Foto mehr...
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon Joachim » Do 30. Jun 2011, 16:56

Hallo caly,

Wie schauts denn diesbezüglich mit Bundschuhen aus?


Sie sind ja praktisch auch nur eine Lederhülle. Der einzige Unterschied, den ich mir vorstellen kann, ist, daß sich die Zehen nicht ganz so frei bewegen können, aber ansonsten ist das bestimmt sehr nahe am Barfußlaufen. Was haben eigentlich Männer zu dieser Zeit getragen?
Liebe Grüße,

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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon Joachim » Do 30. Jun 2011, 17:11

Hallo TIne,

- ich rolle auch barfuss nicht von vorn nach hinten ab, am ehesten trete ich wahrscheinlich dann platt auf.


Ich denke, das ist auch normal, wenn man Jahrzehnte lang genau so gegangen ist. Wir kennen es ja nicht anders und haben uns genau diese Bewegung von klein auf eingeprägt. Man muß das wirklich erst einmal ein wenig bewußt machen. Beim normalen Gehen dauert das etwas länger, sich daran zu gewöhnen, aber bei schnellerem Laufen erscheint mir das fast natürlicher.

Gibts dazu ein Video, wie sowas aussieht? So rein vom mechanischen finde ich die von hinten-nach-vorn-Abrollbewegung beim Vorwärtslaufen durchaus sinnvoll, man schaukelt ja quasi nach vorn. Wenn man von vorn nach hinten abrollt, schaukelt man ja nach hinten, also entgegengesetzt zur Laufrichtung. Verstehst du, was ich meine?


Ja, schau mal hier, da ist das ganz gut erklärt:



- die Barfuss-Laufschuhe haben also eine dünne Sohle und diese Zehenabtrennungen. Inwiefern sollte gerade letzteres das richtige Abrollen fördern?


Gar nicht. Die Zehentrennung ist nur nötig, um die Sohle am Fuß zu halten und die Sohle nur, um sich nicht gleich die Füße aufzuschneiden. Der "Schuh" soll eigentlich möglichst wenig Einfluß haben und dem Barfußlaufen so nah wie möglich kommen.

- warum funktioniert das Abrollen überhaupt in Schuhen offensichtlich falsch?


Weil die Ferse erhöht ist und eine Dämpfung aufweist. Ersteres sorgt dafür, daß wir zuerst mit der Ferse aufsetzen, letzteres dafür, daß das dann nicht weh tut.

Und warum auch in FlipFlops, aber in diesen Tarahumara-Schuhen angeblich nicht?


Das weiß ich noch nicht. Entweder das ist ein psychologischer Effekt oder liegt daran, daß der Flip-Flop nicht fest am Fuß ist. Oder daß er, zumindest bei mir, zu weich ist (Ein Teva Mush, das ist wie auf Moos laufen)

Was unterscheidet diese Tarahumara-Schuhe denn von leichten Sandalen?


Der fehlender Absatz und das fehlende Fußbett. Eine Sandale hat eine steifere Sohle und dadurch kann sich der Fuß nicht so gut bewegen.

Und warum macht die Dicke der Sohlen einen Unterschied? Nur wegen dem Federn?


Nein, weil du dann den Boden nicht mehr spürst. Es geht wohl auch darum, die 30000 Nerven im Fuß zu stimulieren, was bei normalen Schuhen ja praktisch überhaupt nicht passiert. Außerdem kannst du bei dicken Sohlen schlecht abrollen und die Verletzungsgefahr steigt mit zunehmender Dicke.

- Naturvölker, die barfuss laufen, laufen eher nicht so oft über Asphalt ;-). Natürlicher Boden federt viel mehr, jetzt mal von Steinboden abgesehen, aber da läuft man ja normalerweise keine weiten Strecken drauf.


Stimmt, aber die treten offenbar trotzdem nicht mit der Ferse auf.

- die Erlebnisse von Heilungen sind ja schön (die gibts ja aber für fast alles), ich hab mir mal nach 10 km Barfusslauf (5 km Strand, 5 km Asphalt) ein über 2 Monate sehr schmerzendes Knie zugezogen, mit dem ich ca. 2 Wochen gar nicht und ca. 2 Monate nur unter sehr großen Schmerzen laufen konnte. Das hält mich etwas davon ab, zumindest über Asphalt längere Strecken barfuss laufen zu wollen.


Wenn du die 10km mit der Ferse aufgetreten bist, dann ist das nicht verwunderlich. Aber selbst wenn du mit dem Vorderfuß aufgetreten wärst - die Muskeln und Bänder, die dabei gebraucht werden, sind normalerweise recht unterentwickelt und müssen sich erst wieder an den veränderten Laufstil gewöhnen. In den einschlägigen Tipps und Tricks wird jedenfalls immer geraten, das langsam zu beginnen und dann zu steigern.
Liebe Grüße,

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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon SpecialK » Do 30. Jun 2011, 18:25

Ich habe vor etwa 2 Jahren konsequent angefangen Barfuss zu laufen.

Eh sich meine Muskulatur darauf eingestellt hat verging ungefähr 1/2 Jahr. Immer wieder schmerzhafte Rückschläge bei ausgedehnten Laufrunden von 15km. Erst stellte sich der Vorfuß auf diese Belastung ein, dann nach ewig langer Zeit die Waden.(die schmerzen begleiteten mich fast 3 Tage nach jedem Laufen)

Ich habe wirklich viel herum experimentiert erst mit Ballerinas die wirklich schwer zu bekommen waren in der Größe 43 :lol: dann Vibrams, Feelmax

Vibrams: zum Joggen
Feelmax: für alles ander Einkaufen, Sparziergänge und um nicht in der Öffentlichkeit auf zufallen
Balerinas: haben die Zehen zu fest geschnürt, daher finde ich ungeeignet

Ich kann mir echt nicht mehr vorstellen mein Fuß in Schuhe zu zwängen.


Habe noch einen schönen Link den ich mir immer wieder mal aufrufe, ein Blog von Vibramanhängern die alle Schuhe diskutieren die den Barfussefekt ermöglichen
[url]
http://birthdayshoes.com/[/url]
Es ist gut wenn uns die Zeit, die verrinnt, nicht als etwas erscheint was uns verbraucht, sondern als etwas was uns vollendet. Antoine de Saint-Exupéry
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon Joachim » Do 30. Jun 2011, 22:24

Hier gibts nochmal eine wissenschaftliche Untersuchung mit Vergleichsvideos zwischen "normalem" Lauf, bei dem die Ferse aufsetzt und dem Barfußlauf, bei dem der Vorderfuß zuerst aufsetzt: http://www.barefootrunning.fas.harvard. ... trike.html
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon gräulich » Fr 1. Jul 2011, 06:34

Eine interessante Sache, das Barfußlaufen - wenn ich selbst auch nicht laufe.

Seit vielen Monaten verfolge ich den Blog von Helmut, der fast täglich aus seinem Leben berichtet und viel Sport treibt, u.a. auch seit Jahrzehnten läuft. Seit ein paar Wochen experimentiert er mit Leguano Barfuß Laufschuhen, die er Laufsocken nennt:

Bild

In seinem blog Waschbrettbauch mit 75 kann man seine Erfahrungen mit den Laufsocken und vieles mehr nachlesen.

Christian
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon Soiree » Fr 1. Jul 2011, 08:37

Interessantes Thema...
Barfuß laufe ich eigentlich nur an heißen Tagen, weil ich so schnell kalte Füße bekomme :wink:
Aber ich habe für zuhause (wo ich ja auch arbeite) einfache Ballett-Schläppchen, die haben auch eine ganz flache Sohle und sind nicht so eng geschnitten wie die handelsüblichen Ballerinas.
Ich habe meinen normalen Laufstil gerade mal kontrolliert, ich trete darin mit dem ganzen Fuß auf, je nach Härte oder Beschaffenheit des Untergrunds auch eher zuerst mit dem Ballen. Der Fuß ist aber immer fast waagerecht...
Zu Anfang, bestimmt einige Wochen hatte ich durch den fehlenden Absatz, der bei flachen Schuhen ja auch meist noch ca. einen Zentimeter beträgt, ensetzlichen Muskelkater in den Waden und auch in den Fersen. Das war wohl tatsächlich der falsche Laufstil, den man sich über Jahre hinweg angewöhnt hat. Das verging aber mit der Zeit und vom Laufgefühl her ist es, als würde man barfuß laufen.
Mit den Bundschuhen müßte das ähnlich gut gehen...
"Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen." (Erich Kästner)
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon kewi » Fr 1. Jul 2011, 08:47

Super, wiedermal ein sehr interessanter Thread mit vielen nützlichen Infos. :D :thumpup:

Seltsam...jetzt ist es mir schon öfters passiert, dass immer nachdem ich etwas gelesen oder im Fernsehen gesehen habe oder mich mit etwas beschäftigt habe, es kurz drauf hier diskutiert wird. *kopfkratz*

So, jetzt zum Thema. Ich habe am Wochenende eine Doku zum Thema Steinzeitgene/Evolutionsmedizin gesehen. Dort ging es u.a. auch um Schuhe und das Laufen. Eben was Joachim beschrieben hat. Dass man in Schuhen prinzipiell falsch auftritt, da die Schuhe die natürliche Bewegung und Beweglichkeit der Füße blockieren und man so auch gezwungen wird, mit der Ferse zuerst aufzutreten. Das führt dann zu diversen Beschwerden, da die Gelenke, Muskeln, Sehnen falsch beansprucht werden, verkümmern und die gesamte Stoßkraft beim Auftreten durch die Ferse nicht abgefedert werden kann, sondern durch das Skelett auf den Körper übertragen wird.
Beim Barfußlaufen dagegen tritt man natürlicherweise zuerst mit dem Vorderfuß auf, der dann die Kraft des Auftrittes abfedert.
Das wurde dann gezeigt, indem jemand auf dem Laufband von der Seite gefilmt wurde und so konnte man deutlich das unterschiedliche Auftreten barfuß und mit Schuhen sehen.

Daraufhin habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht und auch mal etwas ausprobiert. Ich habe mir vor einigen Monaten EasyTone-Schuhe gekauft, da ich begeistert war, wie bequem sie sind und dass mir die Füße beim Laufen darin nicht weh tun (anfangs jedenfalls :|). Denn in manchen Schuhen merke ich recht schnell, wie mir die Füße weh tun, wenn z.B. die Sohle recht hart ist oder sie vorne recht eng sind.
Aber mittlerweile stelle ich fest, dass mir die Ferse zunehmend immer mehr weh tut. Ich muss dazu sagen, Zuhause in der Wohnung laufe ich immer barfuß. Je nach Temperaturen mit oder ohne Socken.
Und auch wenn ich barfuß lief oder z.B. längere Zeit in der Küche war, tat mir nach kurzer Zeit die Ferse weh, dass ich gar nicht mehr laufen oder stehen wollte.
Jetzt habe ich mal darauf geachtet, bewusst mit dem Vorderfuß aufzutreten und nicht mit der Ferse bzw. das Gewicht auf den Vorderfuß zu verlegen. Und siehe da, schon nach wenigen Schritten, tat mir die Ferse quasi gar nicht mehr weh. Ich kann richtig feststellen, wie die ganze Kraft des Auftretens durch den Vorderfuß abgefedert und kompensiert wird. Die Ferse schmerzt bei dieser Art, aufzutreten, gar nicht mehr.

Natürlich habe ich mir dieses Fersen-zuerst-Auftreten jetzt regelrecht antrainiert (bekommt man ja immer und von jedem so eingetrichtert, dass das gesund ist) und ich versuche jetzt, mir das wieder abzugewöhnen, indem ich bewusst darauf achte, zuerst mit dem Vorderfuß aufzutreten. Eben soweit das halt geht, denn, es stimmt schon, mit Schuhen, geht das im Prinzip nur selten, da die Sohlen zu hart sind und man so gezwungen wird, zuerst mit der Ferse aufzutreten.

Prima, dachte ich mir, wieder etwas, wo man verar***t wird. Aber kein Wunder, wenn es dann so viele Menschen mit Fußfehlstellungen, Kniebeschwerden, Skelettproblemen, usw. gibt. Und kein Wunder, wenn mir desöfteren die Füße wehtun, v.a. bei längerem Laufen oder bei bestimmten Schuhen.

Joachim hat geschrieben:Es scheint mir so langsam, als ob sich die modernen Errungenschaften immer häufiger als nachteilig und widernatürlich erweisen. Je mehr man schaut, umso mehr kommt man zu dem Schluß, daß man mit einer möglichst naturbelassenen Lebensweise am besten dran ist - und zwar nicht nur bei der Ernährung.

Das stelle ich auch zunehmend fest. :)
Die Natur hat halt doch immer Recht und der Mensch mit seinen Verschlimmbesserungen kann daran nichts ändern. Eher im Gegenteil, dadurch macht er es gerade falsch.

Tine hat geschrieben:- die Barfuss-Laufschuhe haben also eine dünne Sohle und diese Zehenabtrennungen. Inwiefern sollte gerade letzteres das richtige Abrollen fördern?

- warum funktioniert das Abrollen überhaupt in Schuhen offensichtlich falsch? Und warum auch in FlipFlops, aber in diesen Tarahumara-Schuhen angeblich nicht? Das sieht mir schon ziemlich nach FlipFlop aus, abgesehen von der Schnur um die Ferse, die aber wiederum auch bei leichten Sandalen gegeben ist. Hier fehlt mir noch der Schlüsselpunkt, wann es "richtig" geht und wann "falsch" und warum das so ist. Was unterscheidet diese Tarahumara-Schuhe denn von leichten Sandalen? Und warum macht die Dicke der Sohlen einen Unterschied? Nur wegen dem Federn?

Ich denke, das liegt daran, dass die Sohlen der heutigen Schuhe einfach zu hart sind, und kein Auftreten mit dem Vorderfuß ermöglichen. Dünne Sohlen bzw. die Tarahumara-Schuhe sind nicht starr, eben, wie wenn man Socken anhätte, wodurch der Fuß in der Bewegung frei ist.

Tine hat geschrieben:- ich rolle auch barfuss nicht von vorn nach hinten ab, am ehesten trete ich wahrscheinlich dann platt auf. Gibts dazu ein Video, wie sowas aussieht? So rein vom mechanischen finde ich die von hinten-nach-vorn-Abrollbewegung beim Vorwärtslaufen durchaus sinnvoll, man schaukelt ja quasi nach vorn. Wenn man von vorn nach hinten abrollt, schaukelt man ja nach hinten, also entgegengesetzt zur Laufrichtung. Verstehst du, was ich meine?

Das ist, denke ich, Gewohnheit (wie so vieles :wink: ). Man ist es einfach schon von Klein an gewohnt, zuerst mit der Ferse aufzutreten und die Schuhe fördern das ja auch. Dann bekommt man es von allen Seiten so eingetrichtert und die Füße haben sich im Laufe der Jahrzehnte auch daran "gewöhnt" bzw. darauf eingestellt.
Probiere mal aus, beim Barfußlaufen oder nur mit Socken bewusst zuerst mit dem Vorderfuß aufzutreten. Ich habe das beim Austesten recht schnell als extrem angenehm, erleichternd und natürlich empfunden.
Zuletzt geändert von kewi am Fr 1. Jul 2011, 13:46, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße
Kerstin

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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon Jani » Fr 1. Jul 2011, 09:12

Auch ich laufe in meiner Wohnung schon seit ca. 2 Jahren ohne Schuhe (wegen der "Kälte" allerdings mit Socken). Bei mir war der Anlass 1. kaputte Hausschuhe (war zu faul neue zu kaufen :wink: ) 2. meine Knieverletzung vor ein paar Jahren beim Skilaufen (Tibiakopffraktur). In einer Unterrichtsstunde von Dr. Birmanns hatte er auf "Bär-Schuhe" (wegen der Zehnefreiheit hingewiesen. Diese Schuhe gewinnen zwar nicht einen Schönheitspreis aber sind für unsere Füße zumindestens breit genug. Wer viel Hosen trägt kann getrost diese Sportschuhe tragen. Allerdings kann man auch in diesen Schuhen den Fuß nicht richtig abrollen. Auch ich hatte vor einiger Zeit einen Bericht über einen Mann, der strickt barfuß (auch im Winter) schon seit Jahren läuft. Das kann ich mir für mich nicht vorstellen. Aber durch Eure Berichte ermutigt, werde ich zu Hause das richtige "Abrollen mit den Füßen" üben.
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon sula5156 » Fr 1. Jul 2011, 10:00

Ach das mit dem Barfußlaufen finde ich spannend....lächel...

ok ich laufe fast immer mit Socken, sonst auf dem Steinfußboden im Sommer zu kalt - Ischias meldet sich ... aber sobald ich zuhause am Tisch sitze zum Essen ziehe ich schon ganz unbewußt die Schuhe aus....seufz... (mein Chaos bewirkt dann, dass glatt dort manchmal 2-3 Paar Schuhe zu finden sind seufz) lach aber immerhin laufe ich gesund...kicher...
in diesem Sinne einen lieben Gruß
Ursula mit ihrem kreativen Chaos...lach
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Re: Laufen und Schuhe

Beitragvon Joachim » Fr 1. Jul 2011, 10:07

Ein interessanter Aspekt ist auch, daß wir eigentlich in jeder Richtung immer erst mit dem Vorderfuß auftreten, nur nicht beim nach vorne laufen. Wenn man sich mal hinstellt und dann einen Schritt zur Seite oder nach hinten macht, tritt man immer erst mit dem Vorderfuß auf. Nur beim nach Vorne laufen ziehen wir antrainierterweise den Vorderfuß hoch, um zuerst mit der Ferse aufzusetzen. Wenn man den Fuß einfach locker hängen läßt, landet man automatisch erst auf dem Vorderfuß.

Bekannte von uns lassen gerade ihren Sohn behandeln, weil er mit 13 Jahren genau das macht, was die Natur ihm sagt: Mit dem Vorderfuß zuerst aufsetzen. Das, was also alle Kinder instinktiv machen, bis sie es durch Schuhe tragen verlernen. Die Eltern, der Kinderarzt und der Orthopäde vermuteten alles mögliche als Ursache der "Krankheit", von psychischen Problemen bis hin zu verkürzten Sehnen. Auf letzteres wird er nun auch behandelt. Die Füße wurden per Gipskorsett in die "richtige" Lage gebracht und so nun für einige Monate fixiert. Dadurch degenerieren die Muskeln und Bänder natürlich wunderbar und der Fuß wird vermutlich dann in der normalen kranken Weise funktionieren.

Ich glaube, am gesündesten bleibt man heute, wenn man sich anhört, was die Ärzte vorschlagen und dann genau das Gegenteil macht... ;)
Liebe Grüße,

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